Ein Ausflug der Volleyball-Abteilung

Vorspiel

Pelzkuhl CityBerlin, 15. Oktober 2011, 20.45 Uhr. Vor genau einer Woche wurde ich wieder einmal von meiner Vergangenheit eingeholt - quasi aus dem virtuellen Nichts (!).

Gabi: „Stefan, wolltest Du nicht einen Bericht über unser Wochenende in Pelzkuhl schreiben?“
Ich: „Hm, ja schon,  aber das ist doch schon vier Monate her und ich habe momentan wirklich sehr viel zu tun und bin andauernd unterwegs.“
Gabi: „Aber nächstes Wochenende bist Du doch Strohwitwer und da hättest Du doch am Samstagabend Zeit, oder?“
Ich: „Ich kann mich kaum noch an was erinnern und ....“
Gabi: „Toll, ich fand nämlich Deinen Artikel über unseren letzten Wandertag totaaaal lustig!“
Ich: „Ich schreib was.“

Manchmal sollte man einfach die Klappe halten können.

Jetzt sitze ich also hier, die aufgetauten und getoasteten Fleischpflanzerl liegen ein bisschen zu schwer im Magen, das Licht ist gedimmt und ein fast leeres Gläschen Single Malt steht neben mir. Letzterer sollte mir eigentlich etwas Inspiration einhauchen, bisher ist der Spirit aber noch nicht angekommen. Ist vielleicht auch gar nicht so schlecht, wenn sich der Blick in die Vergangenheit etwas verklärt, denn soweit ich mich erinnern kann, war der damals in Pelzkuhl auch manchmal ein wenig unscharf. Insofern kann der geneigte Leser davon ausgehen, dass viele Ereignisse, die in diesem Artikel eventuell oder auch nicht auftauchen, nicht so oder auch gar nicht statt gefunden haben. Trotzdem, gute Unterhaltung!

Also dann, ein Bericht.

Anreise

Anlass der Gruppenreise war die Absage des Volleyball-Freiluftturniers in Schönwalde. Dort frieren wir uns seit drei Jahren, immer im Juni, regelmäßig die Finger und auch andere Körperteile ab, zelebrieren alte Volleyballer-Bräuche und schütteln unsere Körper zu den unwiderstehlichen rythmischen Klängen der legendären Band „Crinkle Cut“. Die Enttäuschung über den Ausfall war groß und so reifte relativ schnell der Plan einer Ersatzbefriedigung in Form eines gemeinsamen Ausflugs.

Pelzkuhl war Kubi’s Vorschlag. Ich glaube, er war als 13-jähriger dort mal in einem Erziehungscamp, oder so ähnlich. Jedenfalls kannte er als einziger überhaupt irgendwas und da wir eine Gruppe von Ja-Sagern sind, fanden wir zügig einen Konsens. Zumindest diejenigen, die sich nicht von Kubi’s abenteuerlichen Beschreibungen und den Bildern im Internetz abschrecken ließen. Am Ende waren wir zu siebt, drei Damen und vier Herren – der Rest mußte auf eine Hochzeit.

Gabi meditiertGabi meditiertIrgendwann im Juni 2011. Die Anfahrt war vor allem lang und meistens auch weilig, viel Landschaft und ab und an mal ein bezauberndes Örtchen mit malerischem Namen – ich kann es nicht beschwören, aber war da nicht ein Dorf namens „Löwenzahn“, durch das wir bereits in meinem letzten Bericht schon nicht gefahren sind? Ich erinnere mich jetzt klar und deutlich an ein palastartiges Gebäude am Wegesrand, das „Schnitzelparadies“ in Fürstenberg - an dem hielten wir aber auch nicht an. Leider.

Das Bemerkenswerteste an der Anreise war vielleicht, dass meine Beifahrerin Maren vergessen hatte, sich vor der Fahrt die Fingernägel zu machen. „Kein Problem, mach‘ ich im Auto.“ Gesagt, getan - ihre Nägel waren nach fleißigem Clippen und Feilen, trotz schlechter Fahrbahn, wirklich fantastisch. Letzte Woche habe ich wieder einen Nagel zwischen meinen Autositzen gefunden.

Gabi, die irgendwo auf den hinteren Sitzen zwischen Bier, Wein, Whisky und anderen notwendigen Verpflegungseinheiten saß, hat ungewöhnlich viel geschlafen, während ihrer kurzen Wachzeiten Kartoffelchips geknabbert und gemault, dass sie Hunger hätte.

Erste Eindrücke

Irgendwo zwischen2011-06-25 07.45.58Idylle pur Hamburg, Berlin und Lübeck liegt Pelzkuhl verträumt an einem See oder Fluss, dessen Name mir aber momentan entfallen ist. Da wir uns schon recht früh am Freitagmorgen auf den Weg gemacht hatten, kamen wir bei einsetzendem Regen pünktlich zur besten deutschen Kaffee-und-Kuchen-Zeit bei unseren Unterkünften an. Wir waren sehr aufgeregt. Kubi hatte nicht zuviel versprochen - der „Ferienpark Pelzkuhl“ empfing uns standesgemäß, fast wie in einem Robinson-Club minus der Begrüßungs-Cocktails.

Außerhalb der ÖffnungszeitenAußerhalb der ÖffnungszeitenWir begaben uns sofort auf eine ausgedehnte Erkundungstour durch den Ferienpark und das Dorf – Tischtennisplatten, ein geschlossener Kiosk, Beach-Volleyball, Kanus, Wasser – und eine moosbewachsene öffentliche Fernsprechsäule. Als wir nach 5 Minuten zurück zu unseren Buden kamen, waren deren Türen immer noch verschlossen. Egal, Kaffee zum Kuchen wird sowieso gemeinhin überschätzt – ein oder zwei Gerstenkaltschalen können als valider Ersatz gelten.

CIMG5338Er will Spass!Nachdem wir uns schließlich in den Bungalows geschlechtergetrennt eingerichtet hatten, die Verpflegung verstaut war und sich der Regen verzogen hatte, sollte direkt die erste Spielerunde durchgezogen werden, noch vor Beginn des abendlichen Grill-Events. „Spaß haben!“ hieß schließlich die oberste Maxime dieser Ausfahrt und damit meinten wir es ernst.

Kubi hatte ein ökologisch wertvolles und trotzdem unterhaltsames Spiel mitgebracht, an dessen Namen ich mich ebenfalls nicht erinnere. Ein bisschen wie Boccia, nur mit vielen Holzstöckchen und -stückchen. Wer kennt’s?

So geht'sHöchkschte KonzentrationEngarde!Da, nimm!Entspannt

Abendliches

SpontannebelRafinierte Vernebelungstaktik von Ronny W.Unser erstes Abendmahl konnten wir doch noch im Freien genießen, sogar ohne Mücken – denen war’s wahrscheinlich zu kalt. Bei der Essensvorbereitung zeigte sich wieder einmal, dass wir ein eingespieltes Team waren – jeder wusste, was er zu tun hatte. „Half-finger“-Carsten machte trozt seiner Behinderung seinen berühmten Pasta-Salat, Ronny bediente den Grill, Maren spielte mit dem Ghetto-Blaster, Kubi machte auch irgendwas und der Rest schnappte sich ein Bier und ging Tischtennis spielen. Kurz vor Sonnenuntergang gaben wir  uns dann ausgiebig der gegrillten Fleischeslust hin, hervorragend zugerichtet vom Grill-Grandmaster Ronny W., der durch eine ausgeklügelte Vernebelungsstrategie auch die Schülergruppe aus Wladi-Rostock, die sich irgendwann im Ferienpark materialisiert hatte, in unser Happening mit einbezog.

Da jeder sein komplettes Spielearsenal von zu Hause mitgebracht hatte, war es einigermassen schwierig, zu einer einstimmig anerkannten Abendspielplanung zu kommen. Was wir letztlich alles gespielt haben, weiss ich nicht mehr so genau, aber ich glaube, wir fingen mit einem dieser Frauenspiele an. Das hat schon mal zum ein oder anderen Lacher geführt, vorallem weil Männer pantomimisch, malerisch und verbal eher begrenzt begabt sind, und weil sie beim Erraten der gesuchten Begriffe ein bisschen zu lange überlegen, bevor sie was sagen. Bei Frauen ist das ja bekanntlich anders. Auf Gabi’s Anregung mussten wir dann aber zügig zum nächsten Spiel übergehen – das war irgendwas mit Karten und ich hab‘ nichts verstanden, außer dass immer einer einen Turban aufhat und der, der links neben dem mit dem Turban sitzt, ist der Looser. Ich saß meistens links neben dem mit dem Turban.

StillebenStillebenDer Abend verflog, Mitternacht war schnell vorbei und ja, wir konnten auch mit Alkohol lustig sein. Da wir für den nächsten Tag einen anstrengenden Ausflug geplant hatten, beschlossen wir vernüftigerweise gegen 1.30 Uhr, frühzeitig in unsere Kojen zu kriechen. Als bei den Damen schon die Lichter ausgingen, sassen Kubi, Carsten und ich noch auf unserer Veranda, tranken feinen Single Malt, diskutierten über Gott, das Universum und den ganzen Rest, bis wir nicht mehr konnten. Irgendwann während dieser Zeit kamen aus der Dunkelheit zwei Halbstarke der Schülergruppe Wladi-Rostock angetrottet und fragten äußerst höflich nach zwei Flaschen Bier. Ich war beeindruckt von so viel Entschlossenheit und dachte wehmütig an meine eigene Jugend zurück, in der ich es wohl genauso gemacht hätte. Gerade wollte ich antworten „Ja, klar. Bedient euch einfach aus dem Kasten.“, da kam Familienvater und Vorturner Kubi mir zuvor: „Schaut mal ganz schnell, dass ihr Land gewinnt. Solltet ihr nicht schon seit fünf Stunden im Bett sein?“ War wahrscheinlich richtig so.

Zähne putzen lohnte sich nicht mehr, da im Osten der Himmel schon heller wurde und wir um 8 Uhr aufstehen mussten. Paddeln war angesagt.

Eine Seefahrt, die ist lustig

Steuermann in SpeHier war die Steuermannswelt noch in OrdnungGanz im Sinne der seemännischen Tradtion der Staakener Volleyballer, war auch in Pelzkuhl eine Ausfahrt mit dem Kanu geplant. Nach unserem Frühstück am reichhaltigen Buffet, welches vom Almost-All-Inc-Robinson-Ferienpark-Club angeboten wurde (eine Wurstsorte, eine Käsesorte, eine Marmeladensorte...), warfen wir uns in unser Abenteuer-Outfit, schnappten uns jeder ein Paddel und marschierten zum Wasser.

[Vielleicht würde es der Geschichte gut tun, wenn ich an dieser Stelle Mut zur Lücke bewiese und die Kanufahrt auf ein „war sehr schön“ reduzierte, aber dazu kann ich mich zum Leidwesen der Leser nicht durchringen – da müßt ihr durch. ]

Das Schicksal nimmt seinen LaufDas Schicksal nimmt seinen LaufEs begann mit einer unglücklichen Einteilung der Mannschaften. Warum gerade ich in einem Boot mit den drei Damen sitzen durfte, ist mir bis heute ein Rätsel. Vielleicht hatte ich mich ja aufgedrängt, oder ich war einfach zu langsam, als es um die Verteilung der Sitze im „Männerkanu“ ging. Jedenfalls stachen wir in dieser Gruppierung in den See (oder Fluss), zu diesem Zeitpunkt noch in guter Stimmung und voller Abenteuerlust.

Erste skeptische BlickeErste skeptische BlickeAufgrund meiner langjährigen einschlägigen Erfahrungen als Segler habe ich mir den hintersten Platz im Boot geschnappt (oder wurde der mir auch aufgedrängt?), mit dem Auftrag, unser Gefährt auf dem richtigen Kurs zu halten. Bereits nach einigen Minuten machte sich erste Unruhe in meiner Mannschaft breit. Wir entfernten uns zusehends von unserem Partnerkanu, indem wir auf’s offene Meer hinaus paddelten, während die anderen es bevorzugten, dicht am Ufer zu bleiben. Erste inquisitive Fragen der Crew an den Steuermann (mich) waren nur die Vorboten einer bald offen aufflackernden Aggression.

Im Zuge einer fairen Berichterstattung muss ich diese Situation wohl aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Im Folgenden einige Denkblasen der Besatzungsmitglieder:

Ich: „Meine Güte, es kann ja wohl nicht soooo schwer sein, gleichmäßig zu paddeln. Jetzt hört die schon wieder auf und guckt nach hinten. Merken die eigentlich gar nix? “
Maren: „Unfassbar! Ich hätte es besser wissen müssen – Männer sind einfach unfähig. Ich hätte gleich selbst steuern sollen.“
Gabi: „Was macht denn der Stefan da nur? Hoffentlich hat er gestern nicht zuviel getrunken. Ach egal, ich ess‘ erst mal einen Müsliriegel.“
Jessi: „Waren wir hier nicht schon einmal?“

Darüber, was die Crew des anderen Boots dachte, liegen keine gesicherten Erkenntnisse vor. Besser so.

Unser erstes Etappenziel erreichten wir trotz Zickzack-Kurs, doppelter Wegstrecke und Meutereiandrohungen schon nach gut einer Stunde (Kubi: „Maximal eine halbe Stunde“). Dort sollte dann über den Rest der Strecke entschieden werden – entweder die kurze oder die etwas längere Tour. Mit „maximal vier Stunden“ (laut Kubi) wurde die längere Route gewählt.

PartnertauschPartnertauschDie kurze Pause hatte allen gut getan, die Aggressionen waren abgebaut und so wollten wir es in den selben Gruppen noch ein zweites mal versuchen. Wie sich bald heraus stellen sollte, war das ein Fehler. Die erste Schleuse, die auch gleichzeitig den „point of no return“ bedeutete, nahmen wir noch einigermassen professionell. Nach einer weiteren halben Stunde hatten aber alle auf dem Mixed-Kanu genug voneinander und  wollten die Trennung. Also wurde durchgemischt und von da ab wurde alles besser, die gute Stimmung kam zurück und wir paddelten wie wild dem Wind entgegen.

Die Stunden vergingen, quer über kleine Seen, durch verwucherte Kanäle, entlang einsamen Landschaften, die Arme fingen an schwerer zu werden und ein Hüngerchen machte sich breit. Da kam uns die „Paddel-In“ Imbissbude gerade recht – zumindest denen, die Fisch mochten, denn was anderes gab’s nicht. Wieder wurde über das weitere Vorgehen beraten. Die „vier maximalen Stunden“ hatten wir fast erreicht, allerdings mussten wir auch die ganze Strecke wieder zurück. Entsprechend entschlossen wir uns zur Umkehr, genau wie der Wind, der uns von da an aus der anderen Richtung mit vier Windstärken entgegen wehte. Aufgrund der verbesserten Paddeltechnik und optimaler Besetzung der Steuermannsposten (Maren hatte übernommen), gelang uns die Rückfahrt in nur drei Stunden. Gegen 17 Uhr waren wir endlich „daheim“.

Alles Käse

Carster hat seinen Finger immer im SpielCarster hat seinen Finger immer im SpielErschöpft, aber auch ausgehungert versammelten wir uns umgehend zu Kaffee und Käsekuchen, natürlich mit Sahne. Irgendwer hatte Aufputschmittel in den Kuchen oder Kaffee gemischt, denn anstatt anschließend tot auf’s Bett zu fallen, entschlossen sich vier für ein Volleyball-Match und zwei  spielten Tischtennis.

Leichtes DinnerLeichtes DinnerDie Mütze des Küchenchefs stülpte sich an diesem Abend Kubi über. Er rührte eine sagenhafte Käse-Wein-Knoblauch-Zwiebelmischung an, die wir dann mit Weissbrot aus dem Fondue-Topf tunkten. Lecker! (Ja, mir ist mein Brot öfter in den Topf gefallen, aber ich mußte nicht in den See.)

Unvergessen: Kubi's StorchUnvergessen: Kubi's StorchNach diesem leichten Dinner waren die Akkus wieder voll und anscheinend hatten wir an diesem Tag noch ein extremes Spielspaßdefizit aufzuholen. Bis in die Dunkelheit wurde das Holz-Öko-Spiel gespielt und von dort gingen wir einigermaßen durchgefroren direkt zum Frauenspiel vom Vorabend über. Diesesmal wußten wir es besser und blieben bei dem einen Spiel – die Männer wurden zwar pantomimisch nicht besser, aber durch regelmäßige Zufuhr von Alkohol in medizinischen Mengen immer lustiger. Auch die Damen schärften ihre Sinne durch ein wenig Tequila hier und ein bisschen Sambucca dort – auf diese Weise konnte Jessi sogar eine Art telepathische Verbindung zu Kubi aufbauen und erkannte einen Wal noch bevor Kubi selbst wußte, was er eigentlich zeichnen wollte. Unvergesslich auch Ronny’s gespielter Grashüpfer, der aus mir unbekannten Gründen Hasenzähne hatte, und natürlich Kubi’s Storch. Am Ende eines langen Abends hatte wahrscheinlich nicht nur ich Krämpfe vor lauter Lachen – es war genial. Bis 6.00 Uhr, 9.00 Uhr aufstehen.

Abgefahren

CheeeseCheeeseDer Abschied von Pelzkuhl war abrupt und im Nachhinein eigentlich diesem fantastischen Wochenende nicht angemessen. Um 11 Uhr hatten wir pflichtgemäß unsere Quartiere geräumt und gereinigt, die Autos waren beladen und wir bereit zu Rückfahrt. Noch einmal durchfuhr uns ein letztes Quäntchen Energie und wir spielten eine Abschiedspartie des Öko-Spiels. Dann hatten wir wirklich fertig, verteilten uns auf die Autos und fuhren ziemlich sprachlos nach Hause.

Es gab nur zwei weitere Vorkommnisse, die erwähnenswert sind – zum einen war ich dankbar dafür, dass Maren darauf verzichtete ihr Epiliergerät während der Fahrt auszuprobieren. Und zum anderen hielten wir wieder nicht am „Schnitzelparadies“, worauf Gabi frustriert die restlichen Chips aufaß.

Epilage

 

Gute Nacht, John Boy.Gute Nacht, John Boy.Genau so, so ähnlich oder auch ganz anders hat es sich abgespielt. Die Darsteller der Geschichte waren Jessi, Gabi, Maren, Frank (Kubi), Carsten („Half-finger“), Ronny und icke.

Die Zeit in Pelzkuhl verging wie im Flug und wie immer zu schnell – so wie es nur mit wirklich guten Freunden sein kann. Danke.

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