thumb_waltons... sah es für den zufälligen Betrachter wahrscheinlich nicht aus als die Staakener Volleyballer auf zwei Flössen übers Wasser trieben. Eher wie die "Waltons" bei einem Sonntagsausflug oder die "Kelly Family" als Sie damals von der Insel vertrieben wurde (wo ist ein Sturm, wenn man einen braucht?). Aber von Anfang an...

Nach einer basisdemokratischen Abstimmung, die mehrere (gefühlte) Monate in Anspruch nahm, hatten sich die Volleyballer des TSV staaken für eine beschauliche Floßfahrt entschieden. Anscheinend hatten einige noch Wasser vom Paddeln im vergangenen Jahr in den Schuhen, weshalb wir nur zu zehnt in den "Großen Wentowsee" stechen sollten.
Wir hatten Glück. Der Volleyball-Gott konnte bei seinem Kumpel dem Wettergott noch einen Gefallen einfordern, so dass dieser das bereits geplante verregnete Wochenende verschieben mußte, und wir für unseren Wandertag den schönsten Tag im September zur Verfügung gestellt bekamen.

thumb_bahnhofDer Aufbruch am Sonntagmorgen, den 12.9., verlief unerwartet reibungslos. Wahrscheinlich ist diese Tatsache auf die gewohnt minutiöse Planung des Organisationskommitees (Kubi) zurück zu führen. Jedenfalls schafften es alle pünktlich zur Abfahrt um 9.44 Uhr zum Berliner Hauptbahnhof (tief!), jeder hatte sein Rucksäckchen mit Proviant gepackt und alle hatten sich dem Anlass entsprechend gekleidet.

Hier wurde schon klar, dass jeder andere Erwartungen an diesen Tag hatte. Eine Dame hatte sicherheitshalber zwei Jacken (eine davon Winter) an, eine weitere war nur unwesentlich leichter bekleidet, bei zwei Teilnehmern wurden pastellfarbene Polo-Hemden und lange Hosen gesichtet, andere wiederum kamen kurzärmlig mit Shorts und Strohhut. Ob Flossen oder Schwimmhilfen im Gepäck waren ist nicht bekannt.


thumb_skipperSchon die Anreise nach Ringsleben gestaltete sich abenteuerlich. Nachdem wir zunächst mit der Regionalbahn durch erschreckend viel Natur Richtung Norden gefahren waren, mußten wir mitten im Nirgendwo (Löwenzahn oder so) in eine Bimmelbahn umsteigen. Der Name ist in diesem Fall Programm, denn wenn man nicht rechtzeitig bimmelt, fährt der Zug schon mal an der Haltestelle vorbei. Das ist uns glücklicherweise erspart geblieben und so kamen wir gegen 11 am Ziel an. Naja, zumindest fast. Jetzt mußten wir nur noch eine halbe Stunde von Zehdenick mit dem Taxi durch die Walachei - und schon waren wir am regionalen Hotspot "Rent-a-Floss".

Ja, der Choke muss rein!Nach kurzer Einweisung durch den seebärigen Flossverleiher konnten wir auf unseren beiden Flössen schon bald den Duft von Freiheit und Abenteuer spüren. Natürlich mußten wir erst einmal das Floss von vorne bis hinten inspizieren und sämtliche Einrichtungen und Annehmlichkeiten unseres Kreuzers in Augenschein zu nehmen. Nach ca. 30 Sekunden war das erledigt und wir stellten fest, dass es auf dem Sonnendeck weder Shuffelboard gab, noch genügend Platz für die mitgebrachten Spiele war (Boccia, Federball, Fussball, Cricket, Volleyball, Carrera-Rennbahn ...) Wenn man es genau nimmt, hatte auch nur eines der Flösse überhaupt ein Sonnendeck, das andere hatte dafür einen Tisch. Toiletten gab es auf beiden - allerdings konnten diese nicht ohne Verletzung der Intimsphäre bei einer Besatzung von fünf Personen eingesetzt werden.

Hans and FranzSchon kurz nach dem Ablegen haben wir unsere beiden Wasserfahrzeuge zu einem Riesenfloss verknotet und tuckerten dann nebeneinander langsam den See hinauf Richtung Seilershof. Zu diesem Zeitpunkt waren wir ja schon einen halben Tag unterwegs und die meisten hatten außer dem Leberkäs'-Semmel (ja, Semmel!) im Zug noch nichts gegessen (Danke Gabiriele) und standen kurz vor einem Kollaps. Aus diesem Grund befahl unser umsichtiger Kapitän, sofort eines der mitgebrachten Fässchen anzuzapfen, um die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen, Vitamien und Mineralien zu gewährleisten. Gleichzeitig wurde das Buffet eröffnet, welches mit vielfätigen Köstlichkeiten auch den anspruchsvollsten Gaumen glücklich machte: Fleischbällchen, Kokoskuchen, Nudelsalat, Wiener Würstchen, Haribos, Salami, Schokokram, Käse, Kartoffelsalat, Brot, Salzgebäck (in Reihenfolge des Verzehrs geordnet).

Jede Menge NaturAuf dem "Großen Wentowsee" gibt es keine Küstenwache. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es keine Küste gibt, jedenfalls keine, an der man mit einem Floss landen könnte. 99 % des Ufers sind mit Urwald-ähnlichem Gestrüpp, oder Binsen bewachsen, in denen sich Mücken und ähnliche Artgenossen ungehindert vermehren können. Der größte Teil des restlichen Prozents wird von kleinen Bungalows und Schwimmhäusern eingenommen. Dementsprechend waren die Möglichkeiten für ausgedehnte Landgänge relativ eingeschränkt und wir verbrachten fast den ganzen Tag auf dem Floss. Nur einmal konnten wir mit einem waghalsigen Manöver unter zwei Bäumen anlanden. Allerdings gab es da nicht viel zu tun oder zu sehen und wir brachen nach einem recht kurzen Aufenthalt wieder auf und machten uns auf den Weg nach Marienthal (am anderen Ende des Sees).

Intermezzo: An dieser Stelle möchte der Autor noch einmal auf die Bekleidungssituation an Bord hinweisen. Während die andauernde Sonneneinstrahlung bei einigen zur Befreiung des Oberkörpers geführt hat, oder zumindest das Wollpullöverle abgelegt wurde, zogen andere den Kragen ihrer Winterjacke noch ein Stückchen höher...

Sunny side upDa das bestellte Unterhaltungsprogramm leider ausfiel, versuchten wir uns die Zeit auf möglichst kreative Weise zu vertreiben. Die Idee "Titanic" nachzuspielen kam zwar bei allen gut an - Gabi war schon mit ausgebreiteten Armen auf dem Bug des Flosses in Stellung gegangen, wobei Rainer sie beherzt von hinten an den Hüften hielt und Siggi am 5-PS-Motor alles gab, um den Fahrtwind zu erzeugen - scheiterte allerdings daran, dass Kubi sich weigerte "My heart will go on" von Celine Dion zu intonieren. Schade.

Expedition ins TierreichStatt dessen inspirierte der Leitwolf uns zu einer Expedition ins Landesinnere, um dort Erkenntnisse zur Lebensweise der Eingeborenen zu sammeln. So fuhren wir dann einen engen Kanal hinauf (oder hinab), dicht gesäumt von Schilf, vorbei an Kuhweiden, bis wir schließlich auf eine geschlossene Schleuse trafen und feststellen mußten, dass wir nicht die ersten Menschen der zivilisierten Welt waren, die es geschafft hatten bis hierher vorzudringen (ganz schön langer Satz). Auf dem Rückweg hatten wir dann aber doch ganz unerwartet Glück: Gabiriele hat auf eine Entfernung von mehreren 100 Metern eine Toilette am Ufer erkannt, die in einem Restaurant versteckt war. Kurzerhand machten wir unser Floss unter einer Brücke fest und ein kleiner Spähtrupp machte sich auf Erkundungsgang. Ein voller Erfolg - die Eingeborenen waren freundlich gesinnt und wir konnten wertlose Papierscheinchen gegen flüssiges Gold tauschen. Und Gabi durfte sogar die Toilette besichtigen.

Pirates of the WentowseeDer Tag neigte sich dem Ende hin und gegen 18 Uhr machten wir im Heimathafen Ringsdorf fest. Kurz darauf stiegen wir in unser Taxi zurück nach Zehdenick und hatten dort noch ausreichend Zeit uns endlich einmal ungestört zu unterhalten - wir hatten unseren Zug um 7 Minuten verpaßt. Endlich im Zug nach Löwenzahn fielen manchen direkt die Äuglein zu - wahrscheinlich träumten sie schon vom nächten Wandertag.

Wenn man ein Fazit ziehen mag:  Wir waren uns mal wieder selbst genug - egal wo man uns hinsteckt, wir haben immer Spass! Eine dolle Truppe.

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